ARBEIT: Arbeit ist die Würde des Menschen. Sie ist die Grundvoraussetzung für seine Existenz.
Gerechter Lohn
Untrennbar mit der Arbeit ist der gerechte Lohn verbunden. Wer leistet, soll dafür auch entlohnt werden. Es ist nicht leicht, die genaue Bedeutung des Begriffes „gerechter Lohn" zu erklären. Aber zwei Umstände sind in diesem Zusammenhang wichtig. Erstens, dass, wer Lohn erarbeitet, das Gefühl hat, dass das, was er bekommt, gerecht ist. Zweitens, dass der Lohn oder das Gehalt ausreichen, um ein würdiges Leben zu führen: für sich selbst, für die Familie, für alle jene, die dem arbeitenden Menschen anvertraut sind.
Wer auf der Seite der Arbeiterschaft steht, wie ich es ein Leben lang tue, der weiß, dass jeder Einsatz gerechtfertigt ist, um dem Arbeiter den gerechten Lohn zu sichern. Er weiß ebenso gut, dass der Egoismus in der Gesellschaft, auch in der Südtiroler Gesellschaft, sehr groß ist, und viele in ihrem Egoismus in erster Linie auf sich schauen, nicht auf die Anderen. Ich sage es offen: Ich bin in meiner Gewerkschaftsarbeit bei den Südtirolern viel Egoismus gestoßen, aber auch viel soziales Empfinden. Es ist nicht immer wahr, dass Reichtum mit Egoismus gleichzusetzen ist. Es ist aber wahr, dass, wer viel hat, oft nie genug bekommt und nicht begreifen will, wie elend sich der Mensch fühlt, der zu wenig zum Leben hat. Und wie weh es tut, wenn der Mensch auf dem Arbeitsplatz sich nicht gerecht behandelt fühlt. Der gerechte Lohn und die Wahrung der menschlichen Würde sind zwei Faktoren, welche die Arbeit veredeln.

