HEIMAT und UMWELT: Sprache und Kultur erhalten, die Umwelt schützen und pflegen, den Lebensraum lebenswert gestalten, die Familie fördern, überkommene Werte an die nächsten Generationen weitergeben.
Meine Heimat
Kaum in einer anderen Region wird das Wort Heimat so oft in den Mund genommen wie in Südtirol. Das stark verankerte Heimatgefühl findet seine Begründung auch in der Geschichte. Denn mehrmals hat Südtirol seine Heimat - das, was der Mensch damit verbindet - verloren oder gefährdet geglaubt.
Am bekanntesten in unserer Geschichte ist die Zeit von Andreas Hofer, als in der Tat Tirol seine Heimat zu verlieren drohte: die Freiheit, die Religion, die Tradition. Wie diese Geschichte ausging, wissen wir alle.
Die zweite schwere Prüfung kam mit der Abtrennung Südtirols von Österreich 1919. Unser Land und unser Volk wurde - als „Preisgeld" für den italienischen Verrat an Österreich - zu Italien geschlagen. Diese Wunde ist noch immer nicht ganz verheilt, und sie wird wohl nie ganz verheilen. Denn der Faschismus, der sich nach der Annexion unseres Landes „annahm", hat mit seinen Taten und mit seinem geistigen Fortleben bis herauf in unsere Zeit gehörig dazu beigetragen, unsere Heimat ihrer Rechte und Traditionen zu entäußern.
Dann kam noch der Nationalsozialismus hinzu, der unser Volk total entzweite und fanatisierte. Mit der Option 1939 erlebte Südtirol seine schwerste Geschichtsphase, und die Erinnerung daran bleibt lebendig, auch wenn wir Südtiroler ein friedfertiges Volk sind, das verzeiht - aber nicht vergisst.
Sprache und Kultur, Zugehörigkeit, Geschichte, Tradition, alle diese Werte haben zahlreiche Feuerproben durchstehen müssen, und nur mit Mühe ist nach dem zweiten Weltkrieg ein neues Heimatgefühl entstanden. Alte Werte wurden neu belegt, neue Werte fanden Eingang in unsere Bevölkerung, aber auch neue Gefahren. Der wachsende Wohlstand hat Geld und Macht zu den Götzen werden lassen, vor denen auch viele Südtiroler in die Knie gehen. Die Südtiroler„heile Welt" droht an diesen neuen Götzen zu zerbrechen.
Man spricht von einer Krise der Werte. Familie, Religion, Nächstenliebe, Solidarität stellen sich oft gegenseitig in Frage. Die Gesellschaft zerbröselt. Es fehlen ihr vielfach die moralischen Säulen, an denen sie sich aufrichtet.
Weil es auf dieser Grundlage schwer ist Heimat zu bewahren und Heimat zu bauen, besteht Handlungsbedarf, um verlorene Werte wiederzugewinnen.

