HEIMAT und UMWELT: Sprache und Kultur erhalten, die Umwelt schützen und pflegen, den Lebensraum lebenswert gestalten, die Familie fördern, überkommene Werte an die nächsten Generationen weitergeben.
Meine Südtiroler Umwelt
Meine Generation, die ab den fünfziger Jahren in den aktiven Arbeitsprozess eingetreten ist, hat Südtirol nach den Zerstörungen des Krieges wieder aufgebaut, aber auch manches abgebaut. Zum Beispiel in der Umwelt. Umweltbewusstsein ist in Südtirol eng mit Heimatbewusstsein verbunden. Die Umwelt ist Teil der Heimat. Wenn ein Teil der Heimat in Gefahr ist, dann muss Alarm geschlagen werden.
Südtirol galt Jahrzehnte lang als eine „Insel" (der Seligen, fügte mancher hinzu). Vollbeschäftigung, eine gut funktionierende Autonomie, wirtschaftlicher Aufbau, kulturelle Wiedergeburt durch ein erneuertes, selbständiges Schulsystem, soziale Sicherheit, und manches andere mehr.
Erst nach und nach sind die Südtiroler drauf gekommen, dass der Fortschritt auch einen Preis hat. Er hat in seiner materiellen Erscheinung - mehr Straßen, mehr Autos, mehr Häuser, mehr Sporteinrichtungen, mehr von allem - auch einen Verlust zur Folge. Es ist der Verlust an Umwelt: an sauberer Luft, an Ruhe, an harmonischer Landschaft, an Flora und Fauna.
Damit wurde bei vielen von uns Umwelt als etwas Schützenswertes zum Begriff. Aber nicht nur das. Umwelt wurde auch zum politischen Kampfsport degradiert.
Sie wurde und wird dazu benützt, um Entwicklung zu verhindern, um Grenzen zu ziehen zwischen Reservatsmentalitäten und gesundem vertretbaren Weiterarbeiten, auch unter Einsatz der Natur, um den kommenden Generationen ein lebenswertes, aber auch ein wirtschaftlich solides Umfeld zu übergeben.
Es gibt auch bei uns Bewegungen, die aus der Umwelt, so wie sie sie verstehen, eine Ideologie und eine Kampfarena machen, in der jeder, der nicht so denkt wie sie, ein Zerstörer ist. Wo Fanatismus ist, geht die Vernunft verloren.
Ganz besonderen Wert hat die Umwelt für die Arbeiterschaft. Wer reich ist, kann sich seine Umwelt dort aussuchen und ansiedeln, wo sie ihm am besten bekommt. Wer dieses (fragwürdige) Glück nicht hat, muss mit dem auskommen, was ihm hier geboten wird. Das heißt aber nicht nur saubere Luft, sauberes Wasser, schöne Landschaft, Ruhe und Erholung; es heißt auch sichere Arbeit, entwicklungsfähige Betriebe, volkswirtschaftliche Grundlagen für Einkommen und Auskommen.
Mein politisches Ziel und Ideal war und bleibt der Kompromiss zwischen Verträglichem, Machbaren und Zumutbarem. So denkt die Arbeiterschaft. Ihr liegt nicht der Fanatismus, sondern die Vernunft zugrunde. Umwelt ist etwas Vernünftiges. Nur wenn sie mit Respekt behandelt, gelebt und umsorgt wird, kann sie ihre Aufgabe erfüllen.

